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KALEVI AHO - Symphonie Nr. 12 |
Lahti Symphonieorchester, Kammerorchester Lappland: John Storgårds BIS-CD-1676
Wo
wenn nicht in Finnland dürfen Komponisten noch richtig romantisch die
Erde anbeten?! Aho hat es in seiner jüngsten Symphonie ausführlich
getan. Sie entstand 2003 am Fuße des Berges Luosto und wurde auch dort
als Raummusik aufgeführt. Joik-Anklänge und ein ungewöhnliches
Instrumentarium sorgen für einen Hauch von Archaik. Die wortlosen
Vokalisen sind wohl von Alfvéns vierter Symphonie inspiriert, hier
allerdings gesellt sich zu Tenor und Sopran ein Saxofon. Nach
Schamanenbeschwörung, Polar- und Mittsommernacht und einem Gesang im
Fjell sorgt ein Bergsturm für den stilechten Kehraus. Nicht gerade
avantgardistisch, das Opus, aber wie geschaffen für Naturfreunde des
Nordens. VT
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DAVID AL AGNA - Le Dernier Jour d‘un Condamné |
R. Alagna, I. Thomas u. a., Choeur Régional Vittoria, Orch. National d‘Île-de-France: M. Plasson DG 480 0958 (2 CDs)
Zusammen
mit seinen Brüdern Frédérico und Roberto als Co-Librettisten hat David
Alagna seine Oper Le Dernier Jour d‘un Condamné nach dem gleichnamigen
Roman von Victor Hugo geschrieben, dem Monolog des Verurteilten aber
jenen einer ebenfalls ihre Hinrichtung erwartenden Frau hinzugefügt.
Musikalisch ist die anhaltende Klage der beiden nicht leicht
darzustellen, und auf Dauer ermüdet uns David Alagna mit monotoner
Musik, die er mit einigen kitschig anmutenden Einfällen nicht wirklich
beleben kann. Sowohl Roberto Alagna als auch Indra Thomas gelingt es,
die Seelenqualen und die Ängste ihrer Charaktere zu transportieren.
Auch die anderen Interpreten, Orchester und Chor werden ihren Aufgaben
gerecht. Das alles freilich kann dieses kompositorisch schwache
musikalische Plädoyer gegen die Todesstrafe nicht retten. RF
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ISAAC ALBÉNIZ - Iberia |
Olivier Chauzu (Klavier) Calliope CAL 9398.9
Für
Debussy war er „der erste, der es verstand, etwas von der reichen
Melancholie und dem spezifischen Humor seines Heimatlandes
einzufangen“. In seinem späten Klavierzyklus Iberia beschwor Isaac
Albéniz – inspiriert von der spanischen Volksmusik, ohne sie zu
zitieren – den Rhythmus, das Licht, die Farben und Düfte Andalusiens.
Der junge Franzose Olivier Chauzu leuchtet Iberia in allen Facetten
aus, der rhythmischen Raffinesse und klanglichen Brillanz, der
träumerischen Poesie, nicht zuletzt in den durchaus vorhandenen
schmerzlich abgedunkelten Momenten. Es gelingt ihm bei durchgängig
ruhigen, gelegentlich sehr langsamen Tempi, denn er spielt ungemein
spannungsvoll und farbig. Eine exzellente Einspielung eines der ganz
großen Zyklen der Klavierliteratur. OB
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WAGNER, STRAUS S, BUSONI - À nos amours |
in Arrangements von Arnold Schönberg, Alban Berg und Erwin Stein Diabolicus: Dietrich Henschel ambroisie AM 137
Es
ist nicht ohne Ironie, dass der Verein für musikalische
Privataufführungen, den Schönberg 1918 gründete, um mit
Kammermusik-Arrangements wichtiger zeitgenössischer Werke
„Kunstfreunden eine Kenntnis moderner Musik zu verschaffen“, 1921
ausgerechnet mit Walzer-Bearbeitungen zu Grabe getragen wurde. In der
fragilen, ungemein atmosphärischen Wiedergabe des Ensembles Diabolicus
klingen sie so, als besuche Strauß den Tanzboden eines Heurigen. Auch
dem Siegfried-Idyll gibt die Originalbesetzung jene anrührende
Zerbrechlichkeit zurück, die Wagner vorschwebte und die jedes große
Orchester zwangsläufig ruiniert. Eine sehr persönliche Liebeserklärung
schließlich ist das bewegende Arrangement von Busonis Berceuse
élégiaque: eine ganz auf das Wesentliche reduzierte Totenklage. OB
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MARTHA ARGERICH AND FRIENDS - Live from Lugano 2007 |
Argerich, Angelich, R. Capuçon, K. Lechner, Maisky, Montero, Tiempo, Zilberstein EMI 5 18333-2 (3 CDs)
Mit
Ausnahme von Schumanns Kinderszenen und Beethovens Geistertrio – jene
von Argerich poetisch nuanciert, dieses von ihr, Capuçon und Maisky
schwungvoll vorgetragen – finden sich hier Trouvaillen. Wie Glinkas
Grand Sextet oder Dohnányis 1. Klavierquartett. Interpretatorische
Sternstunden gewähren die von Argerich und Capuçon passioniert
gespielte 1. Violinsonate Bartóks sowie die feurige Inbrunst, mit der
Argerich und Montero an zwei Klavieren sich für Schumanns selten zu
hörendes Andante und Variationen op. 46 engagieren. Die größte
Überraschung: Ravels 2. Daphnis und Chloe-Suite, die Tiempo und Lechner
für zwei Klaviere transkribiert geradezu entfesselt spielen. Der
Verlust an orchestralem Feinschliff wird wettgemacht durch die dabei
freigesetzte Strenge an kompositorischer Substanz. US
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Vuelta al Mundo |
Nicolas Altstaedt (Violoncello), Elsbeth Moser (Bayan) Genuin 88109
Große
Emotionen sind bereits in den ersten Takten zu spüren, wenn Elsbeth
Moser auf dem Bayan, dem russischen Akkordeon, mit ihrem ganz freien
Spiel in die emotionalen Tiefen des Tangos abtaucht. Und wenn Nicolas
Altstaedt bei Piazzollas Café 1930 mit schneidendem Celloton einsetzt,
dann weiß man, dass diese Reise nicht ohne Schmerz zu bewältigen ist.
Tanti Anni Prima, Libertango, Oblivión und Le Grand Tango siedeln die
beiden zwischen Verklärung und Verzweiflung an. Ihr körperliches Spiel
lässt die Musik atmen. Es geht weiter über Brasilien (Villa-Lobos’
Aria) und Spanien (de Fallas intensiv gespielte Canciones populares
españolas) nach Russland, wo Strawinskys Suite Italienne mit
hinreißender Musikalität zum Leben erweckt wird. Endstation ist
Georgien mit dem orientalisch angehauchten Sachidao. GR
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CARL PHILIPP EMANUEL BACH - Reveries pours connaisseurs et amateurs |
Jocelyne Cuiller (Clavichord) Fuga libera FUG 536
Unter
den Söhnen Bachs war Carl Philipp Emanuel der kühnste Neuerer. Seine
Klangrhetorik, die die barocke Affektenlehre hinter sich lässt und mit
ihrem gefühlsbetonten Sprechen den Empfindungen in Tönen nachlauscht,
hat bis in die Romantik nachgewirkt. Jocelyne Cuiller hat aus seinen
diversen Sammlungen „für Kenner und Liebhaber“ eine Auswahl auf zwei
unterschiedlich klingenden Nachbauten zeitgenössischer Clavichorde
eingespielt, einem gebundenen und einem klangreicheren bundfreien.
Insbesondere die Freie Fantasie in fis-moll (Wq. 67) mit ihren
plötzlichen Stimmungswechseln und der ganz persönliche Abschied von
meinem Silbermannischen Claviere (Wq. 66), zwei späte Werke aus Bachs
Hamburger Zeit, lassen in Cuillers sensibler Gestaltung den ganzen
Zauber dieser intimen Kunst wiederaufleben. US
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