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Tipps und Tricks für Amateure |
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Worauf sollte man beim Notenkauf achten, was macht den Unterschied zwischen einzelnen Noteneditionen aus?
Diese Frage stellte uns Johannes Graupe aus Bruchköbel. Und wir gaben Sie weiter an den Pianisten Severin von Eckardstein.
Das
Allerwichtigste für mich ist, dass es sich um eine Urtextausgabe
handelt, die sich also an den Originalquellen orientiert. Aber die sind
leider nicht immer eindeutig. Beethoven etwa hat oft undeutlich
geschrieben. Im ersten Satz der Hammerklaviersonate steht ein a, wo
viele ein ais für plausibler halten. Hat Beethoven das Kreuz einfach
nur vergessen? Oder doch bewusst nicht gesetzt? Wir wissen es nicht. Dieses
Problem tritt oft in Parallelstellen auf. Wenn in einer Sonate das
Thema der Exposition in der Reprise wieder auftaucht – vielleicht in
einer anderen Tonart, aber sonst gleich –, kann es sein, dass in den
Artikulationszeichen kleine Abweichungen auftreten. Und wenn dann der
Herausgeber vermutet, das müsse genauso wie in der Exposition gespielt
werden, setzt er stillschweigend zum Beispiel einen Staccato- Punkt
oder eine Dynamikangabe dazu. Ob der Komponist die wirklich nur
vergessen hat, weiß niemand. Ich finde es hilfreich, wenn die
Herausgeber in einem Vorwort darlegen, wie sie gearbeitet haben. Aber
generell sind die Herausgeber heute vorsichtiger geworden mit
zusätzlichen Angaben. Mozart hat kaum Dynamikangaben geschrieben,
Bach auch nicht. Aber es gibt Ausgaben, wo sie einfach eingetragen
sind. Das gilt auch für Tempobezeichnungen. Solche Angaben können
hilfreich sein, wenn man ein Stück überhaupt nicht kennt – aber das ist
dann Vertrauenssache. Oft ist es so, dass die Schlussnote einer
Phrase zugleich die Anfangsnote der nächsten Phrase ist. Bei einigen
Ausgaben hört der Legatobogen dann auf der Anfangsnote der nächsten
Phrase auf, bei den anderen eine Note davor. Vielleicht hat es der
Komponist auch nicht genau eingezeichnet. Aber gerade aus der Zeit von
Beethoven oder Schubert gibt es so viele Quellentexte, dass man einfach
weiß, wie der Komponist etwas gemeint hat, da gibt es stilistische
Regeln, die allgemein anerkannt sind und die ein guter Pädagoge oder
Musikwissenschaftler kennt. Da sollte man als Laie vielleicht einfach
mal jemanden ansprechen, wenn man es genau wissen will. Die Lehrer
empfehlen einem im Studium einzelne Editionen, später ist das
eigentlich nur noch ein Thema, wenn man sich längere Zeit mit einem
bestimmten Komponisten beschäftigt, weil man zum Beispiel eine
Gesamteinspielung aufnimmt. Dann ist es interessant, die Handschriften
zu sehen und zu recherchieren. Es gibt Ausgaben, die sehr viele Musiker
benutzen. Die Werke der deutschen Klassik spielen viele Pianisten aus
Henle-Noten. Ich auch. Ich habe mal mit Alfred Brendel darüber
gesprochen, und der meinte, Schenker (Universal-Edition) sei eine sehr
gute Ausgabe für die Beethoven-Sonaten. Schott auch, und bei Henle gäbe
es schon einige Zusätze, die nicht so angebracht seien. Manche
Musiker schwören auf besondere Editionen. Es gibt für Chopin eine
Cortot-Ausgabe, da steht auf jeder Seite halb der Notentext, halb
Fließtext mit Interpretationshilfen. Einige Pianisten mögen das. Mir
ist es am liebsten, wenn möglichst wenig dasteht, das scheint mir am
ehrlichsten. Jeder entwickelt ja schließlich seine eigene
Interpretation. Und dann gibt es noch eine praktische Seite: Manche
Ausgaben fallen sofort auseinander, wenn man sie aufschlägt. Meine
polnischen Chopin-Ausgaben sind mir alle auseinandergefallen, so
schlecht waren sie gebunden. Wenn man Noten in die Hand nimmt und sie
ein bisschen auseinander drückt, sollten sie nicht sofort krachen. In
der Kammermusik, die ja auch wir Profis aus den Noten spielen, ist es
mir wichtig, dass das Notenbild übersichtlich ist. Ich hatte mal
eine Dvorˇák-Ausgabe, da hatte ich echte Probleme. Wenn der Klavierpart
genauso groß gedruckt ist wie der Violinpart, kann man leicht mal in
der Zeile springen. Das Umblättern ist immer ein Thema. Da gibt es
schon Unterschiede in den Editionen, dass man an guten Stellen blättern
kann. Und ich habe es bei Ravel mal gesehen, dass da steht: Aus
wendetechnischen Gründen ist diese Seite freigelassen. Das ist
praktisch! Aber es gibt kaum ein Stück, das man ganz durchspielen kann,
wenn man selbst blättern muss. Das muss man sich dann mit Kopien
zurechtkleben.
aufgezeichnet von ARNT COBBERS
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Musik zwischen Konstanz und Bregenz |
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Der See spielt mit
TEXT BETTINA SCHRÖM
An
den Bodensee fährt kaum jemand allein der Kunst wegen. Schon gar nicht
im Sommer. Kulturschaffende aller Couleur haben das verstanden und über
die Jahre gelernt, die touristische Anziehungskraft des drittgrößten
Binnengewässers Mitteleuropas für ihre Zwecke zu nutzen. Der See spielt
mit, ganz gleich was ansonsten zwischen Mai und September auch auf dem
Programm stehen mag. Im Besonderen gilt dies natürlich für die
Bregenzer Festspielbühne: Das überdimensionale Auge, das die Festspiele
für die Tosca-Spielzeiten 2007 und 2008 auf den See gezaubert haben,
ist jetzt auch noch dem Musikfernsten bekannt: als Hintergrund für
Kerner und Co. während der Fußball-Europameisterschaft. Und auf den
Kinoleinwänden der ganzen Welt wird die beeindruckende Kulisse im
nächsten James Bond, Ein Quantum Trost, zu sehen sein. Hunderte
Bregenzer, die ihr Städtchen während der Dreharbeiten mit
Hauptdarsteller Daniel Craig kaum betreten durften, haben sich in
Galagarderobe um Statistenrollen beworben. Die Opernbühne als
Spektakel. Wer mehr solchen Rummel will, der kann gleich nebenan im
Römersteinbruch von St. Margarethen weitermachen, wo in diesem Jahr
Verdis Traviata vor beeindruckender Naturkulisse gegeben wird.
Raus aus dem Graben! Eine
Hauptrolle spielt der See auch für das Konstanzer Stadtmarketing. Zwar
verfügt man dort mit dem Stadttheater über die älteste dauerhaft
bespielte Bühne Deutschlands und hält als Universitätsstadt natürlich
auf Kultur. Doch lässt sich nur schwer erklären, warum die
Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz – einziges stehendes Orchester am
Seeufer – keinen vernünftigen Saal hat. Seit Jahrzehnten nutzt man als
Dauerprovisorium das Konstanzer Konzil, wo sich vor fast 500 Jahren
Kaiser und Päpste um die Aufhebung des großen Schismas bemühten – und
streitet um den Bau eines Konzert- und Kongresshauses, für den es seit
wenigen Wochen immerhin einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats gibt.
Bis das Haus am Ufer steht, wird aber vermutlich noch viel Wasser den
Seerhein hinunter fl ießen. Und das Orchester, dessen Qualität sich in
den vergangenen Jahren stetig verbessert hat, spielt seine frischen
Interpretationen bis dahin weiter unter mittelalterlichem Gebälk – in
katastrophaler Akustik. Dafür wird der Konzertgänger nach dem
Schlussapplaus belohnt. In keiner anderen Bodenseestadt bummelt es sich
so angenehm wie im auch winters belebten Konstanz, das für den Großteil
des Publikums aus dem Bundesgebiet am schönsten via Fähre vom
malerischen Meersburg aus zu erreichen ist – allein das ist schon ein
entschleunigendes Moment, das den gestressten Kulturtouristen zur Ruhe
bringt. Die aufwendige Anreise lohnt sich. Eingezwängt zwischen Schweiz
und See, eingebettet in eine der schönsten Landschaften Europas, blieb
die Konstanzer Altstadt komplett erhalten und eröffnet immer wieder
herrliche Ausblicke auf Wasser und Berge. Säle mit ansprechender
Akustik gibt es andernorts. Den schönsten in Bregenz: das
Festspielhaus. Dort spielt seit einigen Jahren das Orchester den
„Soundtrack“ zur Seebühne. Der Orchestergraben im Freien ist
abgeschafft, neueste Technik bringt Sänger und Instrumentalisten
zusammen – das akustische Erlebnis, so heißt es, sei auf allen Plätzen
optimal. Genutzt wird das Festspielhaus aber auch für die spannenden
Veranstaltungen der Festival-Reihe „Kunst aus der Zeit“, für die „Oper
im Festspielhaus“ – 2008 Ernst Kreneks Karl V. – und im Winter, wenn
das Symphonieorchester Vorarlberg (ein Projektorchester, das
überwiegend aus Profi s besteht) oder prominente Gäste der Bregenzer
Meisterkonzertreihe auftreten. Auch Friedrichshafen hat seine gute
Stube, die zwischen Oktober und Mai – auch dank prominenter Solisten
und Orchester – viel Publikum anzieht: das Graf-Zeppelin-Haus. Lindau
macht Kammermusik im Stadttheater. Das schweizerische St. Gallen, das
man mit gutem Willen auch noch zur Seeregion rechnen kann, bietet nicht
nur die Stiftsbiblio thek mit einer Handschrift des Nibelungenlieds,
sondern auch ein Dreispartenhaus samt Sinfonieorchester. Und sogar das
unscheinbare Singen kann seit einem Jahr mit einer Halle aufwarten, die
auch den Ansprüchen des Klassikhörers genügt. Es ist also auch ab
Oktober alles andere als still in der Region.
Mozart lässt die Puppen tanzen Und
es gibt jede Menge kleiner und feiner Veranstaltungsorte mit ganz
besonderem Flair: Im winzigen Hof des Konstanzer Renaissance-Rathauses
wird zum Beispiel alljährlich Oper gespielt – in diesem Sommer Mozarts
Zaide. Und die Marionettenoper Lindau verspricht zu jeder Jahreszeit
ein außergewöhnliches Erlebnis. Zumal Lindaus Altstadt das vielleicht
mediterranste Flair Deutschlands zu bieten hat. Um den Charme der
Kulturregion zu entdecken, muss man sich allerdings auf die Reise
machen. Am besten auf den hervorragend ausgebauten Radwegen (und in der
Saison mit Tausenden anderer Touristen) von Städtchen zu Städtchen
strampeln oder die Eisenbahn bemühen, die zum Leidwesen heutiger
Städteplaner direkt am Ufer entlang führt. Vorbei kommt man dabei an
Orten wie Langenargen, wo im Schlösschen Montfort immer wieder Konzerte
stattfi nden, und Meersburg, das nicht nur die angeblich älteste Burg
Deutschlands vorweisen kann, sondern auch ein Schloss mit
entsprechendem Saal. Ein Abstecher nach Salem lohnt sich allemal, nicht
nur um sich nach einem Internatsplatz für den Nachwuchs umzusehen,
sondern auch um unter freiem Himmel im weitläufigen Schlosspark der
Musik zu lauschen. Selbst im kleinen Allensbach am Gnadensee treten
dank reger Kulturschaffender bisweilen Jazz-Größen wie Rabih
Abou-Kahlil auf. Auch die Schweizer Seeseite hat malerische
Spielorte zu bieten, das Schlösschen Girsberg in Kreuzlingen etwa oder
die Kartause Ittingen, ein geradezu magischer Ort, wo Heinz Holliger
und András Schiff als künstlerische Leiter Pfi ngstkonzerte auf
höchstem Niveau veranstalten.
Im Toggenburg zum Jodeldiplom Ja,
im Frühjahr beginnt der Festivalreigen. Eröffnet wird er mit dem
dreiwöchigen „Bodenseefestival“, einer der wenigen grenzübergreifenden
Veranstaltungen im Dreiländereck. Der Schwerpunkt des vielfältigen
Programms liegt auf der klassischen Musik, es werden aber auch Jazz,
Tanz und Literatur einbezogen. Vom großen Konzerthaus bis in kleine
Barockkirchen zwischen Ravensburg und St. Gallen führt das Festival
seine Besucher – ein Ereignis, das sich trotz mancher Kritik wegen
einer vermeintlich vagen Konzeption zu bereisen lohnt. Wenn man dann
anschließend bei einem gut gekühlten Glas badischen Weißweins
zusammensitzt und bei einer Portion „Dünnele“ (einer Art Flammkuchen)
auch die kulinarischen Genüsse entdeckt, die diese Gegend zu bieten
hat, wird man vielleicht der Zimmerwirtin mitteilen, noch ein paar Tage
anhängen zu wollen. Denn es gibt noch mehr zu entdecken: Kirchen und
Klöster zum Beispiel, allen voran die Insel Reichenau, deren zum
Weltkulturerbe ernanntes Ensemble aus Kirchen und Kulturlandschaft noch
heute umweht wird von einem Hauch Name der Rose. Noch archaischer
wird die Atmosphäre hinter den sieben Bergen, in der schweizerischen
Landschaft Toggenburg zwischen Säntis und Churfi rsten. Hier hat man
eine „Klangwelt“ geschaffen. Per Sessellift oder Seilbahn gelangt der
Wanderer auf den „Toggenburger Klangweg“, wo auf über 20 Stationen
Obertonflöten oder Kuhglocken darauf warten, zum Klingen gebracht zu
werden. Und im Tal laden Spezialisten zu Jodel-Seminaren, Alphornblasen
und Obertongesang. Statt das musikalische Volksgut aussterben zu
lassen, rückt es nun ins Zentrum des Marketings. Ein Konzept mit
Zukunft. Nicht jeder muss mitmachen im Wettbewerb der Stars und
versuchen, mit den großen Festivals zu konkurrieren. Eine
Kulturlandschaft kann auch mit ihrem Charme punkten. Und mit ihrem See.
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Bach leicht gemacht - Ein kleiner Interpretationskurs |
Johann Sebastian Bach:
Suite Nr. 1 G-Dur für Violoncello
solo BWV 1007. Tipps zum ersten
Satz von Alban Gerhardt
Vorweg muss man sagen: Das Trügerische
an diesem Satz ist, dass sich alles in
der ersten Lage abspielt und er deshalb
als leicht gilt. Doch gerade das macht ihn
heikel, weil die erste Lage in Wirklichkeit
die Schwerste auf dem Cello ist. Die
Finger fallen nicht natürlich, sondern
müssen ständig weit gespreizt sein.
1. Das Stück muss klingen, als ob
man es gerade improvisiert. Gerade die
Präludien haben dieses improvisatorische
Element. Es gibt einen Puls, aber
der geht eher über mehrere Takte, als
dass er mit dem Metronom auszuzählen
wäre. Die Präludien sind wie Fantasien,
danach kommen die Tanzsätze
mit einem festen Metrum.
2. Die Artikulation mache ich so,
wie hier notiert ist: Die ersten drei
Töne gebunden, einen gestoßen. Das
ist nicht so leicht, weil ich zunächst
drei Noten auf 10 cm Bogenlänge
unterbringen muss und dann eine einzige
auf derselben Bogenlänge, ohne
dass dabei ein Akzent rauskommen
darf. Die nächsten vier Töne stoße ich
und versuche dabei, die Sechzehntel
leicht zu spielen, zwischen staccato
und legato. So fange ich meistens an,
später variiere ich den Strich dann
– es sollte bloß nicht schematisch werden.
Ab Takt 29 muss man auf jeden
Fall die Stellen üben, wo ein Ton gestoßen,
dann sieben auf einen Bogen
gespielt werden. Das ist sehr schwer,
weil der einzelne Ton fast gar keinen
Druck bekommen darf – es darf nach
ihm aber auch keine Kunstpause entstehen.
Man soll den Ton hervorheben,
aber er muss im Fluss der Musik
eingebunden bleiben.
3. Das Tempo darf nicht sehr langsam
sein! Es muss von einem Impuls
aus schwingen, ohne flüchtig oder bedeutungsschwanger
zu werden. Aber
üben muss man das erst mal sehr langsam.
Mit Achteln = 50 etwa. Dann hat
man mehr Muße, alles zu beachten.
4. Da Bach keine Dynamik vorgeschrieben
hat, kann man auch damit frei umgehen. Ich folge oft dem harmonischen
Fluss – das wird von Beginn an
erst immer mehr bis zum D-7-Akkord,
dann wieder weniger. Ein erzählerischer
Gestus ist dabei wichtig. Wenn es
der Raum hergibt, kann man im piano
anfangen, sonst eher mezzoforte.
5. Wahnsinnig schwer ist der Anfang:
zwei leere Saiten schön legato
ansprechen zu lassen in einem gesunden
Mezzoforte. Das darf nicht
zu forsch und nicht zu schüchtern
kommen. Man schleicht sich vielmehr
in das Stück hinein, als ob es schon seit
zehn Jahren liefe. Es darf auch kein
Akzent sein, man muss weich starten.
6. Wichtig ist, dass man die Basslinie
mitverfolgt und mehrstimmig denkt.
Man muss die verschiedenen Linien
deutlich machen, auch den Alt und die
obere Linie. Das mache ich mit der Verschiedenheit
der Länge in den gestoßenen
Noten. Die dürfen nicht alle gleich
lang sein. Bis zur französischen Revolution
gab es ja wichtige und unwichtige
Noten, erst danach waren alle gleich.
Bei Bach ist das ganz extrem: Es darf
auf keinen Fall alles gleich sein.
7. Bloß nicht schwindsüchtig spielen!
Ich empfinde Bach generell als
sehr erdverbunden, d. h. der Klang
darf voll und tief sein, ohne romantisierend
zu wirken. Bei diesen Basslinien
darf man schon sehr tief in die
Saite gehen. Man kann die wichtigen
Töne mit einem Vibrato versehen,
wenn man will. Insbesondere die
Fermate kann ein Vibrato vertragen.
Aber nur wie ein leichtes Beben in
der Stimme. Der Ton soll dadurch nur
mit Leben erfüllt werden.
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Alban Gerhardts |
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1. Was ganz viele falsch machen:
Sie beschäftigen sich nicht mit den
Grundlagen! Man muss regelmäßig
die grundlegende Klangerzeugung
üben, also mit dem Bogen
allein arbeiten, ohne linke Hand.
Dafür braucht man ca. fünf oder
zehn Minuten am Tag: wie man
mit dem Bogen in die Saite geht,
leere Saiten spielen. Dabei immer
beachten: Der Bogen ist nur die
Verlängerung des Armes. Und an
den Ellbogen denken, der nach
links oder rechts zieht. Die Schulter
ist oft zu hoch – sie darf auf
keinen Fall blockieren. Bei der linken
Hand ist vor allem das richtige
Greifen wichtig. Die Hand sollte
nicht wie ein Schloss zuschnappen,
sondern man muss das Gewicht
des Armes nutzen. Als ob das Griffbrett
ein Morast ist, in den jeder
einzelne Finger einsinkt. Eigentlich
muss jeder Ton beim Greifen so abgeschlossen
werden, als ob er eine
leere Saite wäre.
2. Beim Vibrato sollte man
nicht, wie viele Cellisten es tun,
einen zweiten Finger zuhilfe nehmen.
Denn das klingt dann fast
wie ein Triller. Stattdessen muss
der Finger in einem Zentrum verankert
sein und um diesen Punkt
herum vibrieren. Das musss nicht
viel sein, und je höher man spielt,
desto weniger darf es sein. Wenn
man in den hohen Lagen so vibriert
wie unten, klingt das nur noch wie
Gewimmer.
3. Was ich sehr empfehlen kann:
Mit Ohropax spielen. Zumindest
sollte man es mal ausprobieren.
Wir lassen uns oft von der Raumakustik blenden: In einem kleinen
Zimmer klingt es ganz toll und
luftig, aber in einem ungünstigen
Raum ist der Ton dann klein und
mickrig. Mit Ohrstöpseln klingt es
immer mickrig, sodass man automatisch
tiefer in die Saite geht, um
mehr Klang zu erzeugen.
4. Gleichzeitig sollte der Klang
nicht die oberste Maxime sein.
Natürlich ist es wichtig, gehört zu
werden und einen „schönen Ton“
zu haben, doch wenn der Klang
den musikalischen Ausdruck ersetzt,
bleibt die Musik auf der Strecke.
Klang ist Mittel zum Zweck,
nicht das Ziel.
aufgezeichnet von Klemens Hippel
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